Bürowelt zwischen Gestern und Morgen

Office Villa Mörikestraße, Stuttgart

Ein solides Fundament für Immobiliengeschäfte

Wo einst das Trendlabel Blutsgeschwister seinen Stammsitz hatte, werden heute auf rund 650 qm verteilt auf drei Etagen Immobilien gekauft, aufgeteilt und verkauft. Die Unternehmenskultur der Hauptfirma, welche als Mieter in dem historischen Gebäude neben etlichen weiteren der Firmengruppe angehörigen Firmen untergebracht ist, beschreibt der Bauherr selbst mit Adjektiven wie  „erlesen“, „weitsichtig“ sowie „solide“ und „sicher“, möchte dabei aber ebenso zukunftsgewandt wie modern wirken.  Für SOMAA war diese Beschreibung Ausgangspunkt eines gestalterischen Konzepts, welches den Wertekanon der Firma mit einer Collage aus repräsentativer Möblierung und spannend offensiv wirkenden raumbildenden Elementen umsetzt. Die behutsame Sanierung des denkmalgeschützten viergeschossigen Gebäudes in einer bevorzugten Hanglage Stuttgarts sorgte für einen soliden Rahmen, während die individuell gefertigten Einbauten sowie die wertige Möblierung das Spannungsfeld zwischen Alt und Neu eröffnen. 

Moderne Arbeitswelt hinter historischen Fassaden

Die Räume des Firmensitzes konnten durch das Zusammenlegen vieler Einzelarbeitsplätze zu kommunikationsfördernden und den Workflow optimierenden Insellösungen, weitestgehend unter Beibehaltung des historischen Grundrisses, für die Bedürfnisse des Nutzers dienbar gemacht werden. So wurden das Erdgeschoss den öffentlichsten Funktionen wie Empfang, Foyer, Sekretariat und Konferenzräume sowie der Abteilung Verkauf gewidmet.

Das großzügiges Foyer empfängt den Besucher mit einer einladenden Geste: Ein tiefschwarzes Gebilde verortet gleichermaßen prägnant wie dominant den Empfang. Die eigenwillige Geometrie des raumhohen Möbelelements widersetzt sich der vorgegebenen Raumgeometrie und orientiert sich einladend zum Besucher. Mäandrierend zoniert es wie selbstverständlich den Raum in Besucherbereich und Sekretariat.  In gebürstetem Messing gefasste Einschnitte bilden Zäsuren, Nischen und Akzente, sie beherbergen Teile der Sammlung historischer Rechenmaschinen welche der Vater einer der Geschäftsführer sammelte. Eine dezente Fräsung in einer Messingplatte zeigt den Firmenschriftzug. Nur über eine Glastrennwand separiert befinden sich, direkt an das Foyer angrenzend, die Konferenz- und Besprechungsräume. Leichte, transluzente Vorhänge hinter der Glastrennwand sind in gedeckt warmen Tönen gehalten und sorgen je nach Bedarf für die gewünschte Intimität oder Offenheit, unterstützen die Raumakustik und geben einen für Konferenzräume ungewöhnlich individuellen Charakter. Ihr Farbton kontrastiert mit den blauen Akzentwänden, die unaufdringlich sparsam eingesetzt, über alle Geschosse die Corporate Identity des Unternehmens räumlich kommunizieren. Eine ebenfalls in einem Blauton gehaltene automatische Schiebetrennwand zwischen den beiden Konferenzräumen ermöglicht  das Zusammenlegen beider Räume zu einem großzügigen Veranstaltungsraum. 

„Unsere Entwürfe basieren auf einem strukturell soliden Fundament, in dessen Rahmen wir uns spielerisch bewegen.“

Authentische Materialien sorgen für Vertrauen

Das Obergeschoss wird über eine mit einem dunkelblauen Teppichläufer

belegten Treppe erschlossen.  Hier wird die Präsentation der Sammlung von Rechenmaschinen spielerisch in Form einer Wandcollage, dem Prinzip der „Petersburger Hängung“ entlehnt, fortgesetzt. Hinter den Türen, welche als Kassettentüren dem historischen Vorbild nachempfunden sind, befinden sich neben dem Einkauf und der im gleichen Gebäude als Untermieter befindlichen Hausverwaltung auch die großzügigen, jeweils individuell und in enger Abstimmung mit den Nutzern gestalteten Räume der Geschäftsführer.

Ein gemütliches Lounge Sofa lädt zu informellen Besprechungen ein, auf dem hochfloorigen,  kreisrunden Teppich aus Naturwolle befindet sich ein kleiner Marmor-Couchtisch - eine Atmosphäre die eher an einen lässigen Wohnbereich erinnert als an ein Büro. Die Tagesgeschäfte werden vom frei im raumstehenden Schreibtisch organisiert, von hieraus werden die Mitarbeiter im Einkauf, dem Verkauf und der Buchhaltung sowie der Bauleitung, koordiniert. Die beiden letzten Abteilungen sind im Untergeschoss des Gebäudes untergebracht, ebenso wie der Gemeinschaftsbereich mit Küche. Während in den Büroräumen das weiße Mobiliar den geölten Eichenholz-Parkett kontrastiert und für eine freundliche Stimmung sorgt, wird im Aufenthaltsraum die Holzzart des Parketts aufgegriffen - ein großer Eichenholztisch inszeniert mit den darüber hängenden textilen Lampenschirmen die lange Mitarbeitertafel, wo neben kleinen firmeninternen Veranstaltungen und Festlichkeiten auch gemeinsame Mittagspausen verbracht werden.

Nur im besten Licht

Nicht nur die räumlichen Interventionen und das Mobiliar sollten die Firma in bestem Licht dastehen lassen. Das von SOMAA entwickelte Lichtkonzept aus zwei Beleuchtungsebenen gewährleistet individuell steuerbare Lichtverhältnisse, gleichwohl kommuniziert es durch die Wahl der eingesetzten Leuchten mit Nutzern und Besuchern auf inhaltlicher Ebene.  Es besteht zum einen aus einer, in die zu den Fassadenwänden vom Altbestand über Schattenfugen abgelöste Akustikdecke, integrierten Allgemeinbeleuchtung zum anderen aus einer die Allgemeinbeleuchtung ergänzenden Akzentbeleuchtung. Riesige Kronleuchter sorgen auf Ebene der Akzentbeleuchtung durch ihre imposante Erscheinung neben Licht ebenso für Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Unternehmens. Sie führt als Komposition von Kugelleuchten über den Treppenraum in das Obergeschoss, oder verortet mit kreisrunden flachen Pendelleuchten identitätsstiftend die Arbeitsinseln und Schreibtische der Mitarbeiter.

Projektinformationen

Ort

Stuttgart, Deutschland

Projektstatus

realisiert

Team

Hadi Tandawardaja
Tobias Bochmann
Kyra Mootz

Fotografie

Zooey Braun

Verfahrens-/Projektart

Direktbeauftragung

Leistungen

LP 1 – 8

Fläche

645 m²

Baukosten

1.200.000,00 €

Bearbeitungszeitraum

2016

Fertigstellung

2017